China ruft zur großen Roboter-Revolution

Ein Beitrag von Daniela Bartscher-Herold  (im Rahmen der Messe “Automatica” in München, Juni 2016)

Deutsche Firmen werden kurz- und mittelfristig von der starken Nachfrage profitieren

„Die chinesische Regierung hat ambitionierte Pläne: Bis 2020 will sie nicht nur das Pro-Kopf-Einkommen verdoppeln, sondern langfristig auch Millionen von Niedriglohn-Arbeitsplätzen durch Roboter ersetzen – damit legt die Regierung der Volksrepublik den Grundstein für eine Roboter-Revolution in der chinesischen Industrie”, berichtet Daniela Bartscher-Herold, Partner bei der Unternehmensberatung EAC- Euro Asia Consulting.

Untermauert wurden die Pläne Ende 2015 vom chinesischen Vizepräsidenten Li Yuanchao, der auf der World Robot Conference in Peking im Auftrag von Präsident Xi Jinping die strategische Bedeutung von Robotern und Automatierungstechnologien in der VR China verkündete. „Beispielsweise hat China das Programm China Manufacturing 2015 ins Leben gerufen, das auf die Transformation eines volume-driven global manufacturing hubs zum World Class Powerhouse zielt”, berichtet Bartscher-Herold.

Künftig wird in China ein Marktwachstum von rund 26 Prozent pro Jahr prognostiziert – das bedeutet bis 2020 ein Volumen von 8,8 Mrd. Euro. „Das Wachstum wird im Maschinenbausegment zur Kompensation temporärer konjunktureller Volatilitäten in China führen”, so Bartscher-Herold. Zum Roboterboom in China tragen auch deutsche Automobilgrößen wie BMW bei. „Chinesische Kunden kauften im vergangenen Jahr 464 000 Premiumautos von BMW. Zwei Drittel davon wurden im nordchinesischen Shenyang hergestellt”, berichtet China-Experte Christoph Hoene. Wie in allen BMW-Werken sind auch in Shenyang die Produktionsabläufe hoch automatisiert. „Fabrikautomation in China ist aber längst nicht mehr auf global tätige Konzerne beschränkt, sondern setzt sich auf breiter Front durch. Hersteller von Robotern wie Kuka kommen deshalb der Nachfrage kaum nach”, weiß Hoene.

Bartscher-Herold sieht daher trotz aktueller konjunktureller Schwächen großes Potenzial: „Deutsche Unternehmen werden kurz- und mittelfristig von der starken Nachfrage nach Automationslösungen in der Volksrepublik China profitieren.” Zu diesem Ergebnis komme auch eine Studie zu Markt- und Regierungsentwicklungen sowie Wettbewerbsstrategien chinesischer Anbieter von Robotik- und Automatisierungslösungen, die EAC 2015 für den VDMA Fachverband Robotik durchgeführt hat. Vorteil für die deutschen Anbieter: „Trotz zahlreicher Versuche der chinesischen Regierung, die lokale Anbieterseite für Robotik-Lösungen zu fördern, zu konsolidieren und zu integrieren, existieren bis dato noch keine vergleichbaren Wettbewerber”, so die EAC-Expertin.

Als Vizepräsident Li die Bühne der World Robot Conference in Beijing verließ, verkündete er daher: „Robotik-Experten und Unternehmer aus aller Welt sind in China willkommen, um mit uns das Thema Roboter-Technologie voranzutreiben.” Diese Art von indirekten Einladungen spreche die Volksrepublik nur noch in Industrien aus, in denen die chinesischen Anbieter noch einen signifikanten Technologienachteil gegenüber dem globalen Wettbewerb erkannt haben, erläutert Bartscher-Herold.

„Für die deutsche Industrie gilt es daher, sich diesen Zeitvorteil durch eine schlagkräftige China-Präsenz rechtzeitig zu sichern und mittel- bis langfristig die deutsche Hightech-Position zu verteidigen”, so Bartscher-Herold. Denn sie geht davon aus, dass sich chinesische Robotik-Anbieter gezielt verstärken werden: „Die Akquisition internationaler Anbieter wird als ein zukünftiges Vehikel in der Strategie der Chinesen bedeutend werden.”

Auch Hoene rät, die Chinesen nicht zu unterschätzen: „In wenigen Jahren haben sich in China zahlreiche lokale Automationshersteller etabliert.” Diese spielen zwar bislang auf dem Weltmarkt keine wesentliche Rolle. „Wie schnell sich das ändern kann, haben Hidden Champions aus dem Reich der Mitte in anderen Branchen bereits eindrucksvoll vorgeführt”, so Hoene. Ein Beispiel dafür sei die Yuanda-Gruppe, die mit 13 000 Mitarbeitern weltweit eine der ersten Adressen im Fassadenbau ist. In Frankfurt wurde etwa die Europäische Zentralbank von Yuanda ausgestattet.

Yuanda ist wie BMW übrigens in Shenyang ansässig, dem Ruhrgebiet Chinas. „Ebenso wie der Namensgeber in Deutschland durchläuft die Region im Nordosten Chinas einen schmerzhaften Strukturwandel weg von den alten Industrien Eisen und Stahl hin zu modernem Hightech”, so Hoene. „Dieser Prozess wird durch die Regierung in Peking mit hoher Priorität gefördert, so dass Shenyang für deutsche Unternehmen interessante Marktchancen und attraktive Standortbedingungen bietet.”

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