DAX – KONZERNE IN RUSSLAND – IM SCHATTEN DER KRISE

EAC Analyse: Unternehmen  erleiden deutliche  Umsatz – und Gewinneinbrüche

  • EAC International Consulting analysiert zentrale Kennziffern der DAX 30 Unternehmen in Russland
  • Umsätze 2014 vor dem Hintergrund von Wirtschaftskrise und Sanktionen unter starkem Druck. Auch die operativen Ergebnisse brechen ein
  • DAX 30 Unternehmen beschäftigen in Russland knapp 50.000 Mitarbeiter und erwirtschafteten vergangenes Jahr rund zwei Prozent ihres Umsatzes in diesem Markt
  • Negative Entwicklung setzt sich 2015 fort – EAC geht von einem Rückgang des Gesamtumsatzes der Konzerne von 15 bis 25 Prozent aus
  • EAC erwartet 2016 Stagnation und ab 2017 eine flache Erholungskurve, beobachtet jedoch, dass die Mehrzahl der DAX-Konzerne langfristig weiterhin auf den russischen Markt setzt und neue Strategien testet

München/Moskau,  02. Dezember 2015

Die 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands erzielten im Jahr 2014 einen Umsatz in Russland von 19 Milliarden Euro. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahr einen durchschnittlichen Rückgang um 12 Prozent. Diese Zahlen präsentiert jetzt die Münchener Unternehmensberatung EAC International Consulting, die auf Schwellenländer spezialisiert ist und ein Büro in Moskau unterhält. EAC weist darauf hin, dass vor allem die starke Rubelabwertung und die Wechselkursschwankungen den deutschen Unternehmen zu schaffen machte. Auf Rubelbasis wuchs der Gesamtumsatz 2014 noch um 6 Prozent.

Dietmar Kusch, Partner von EAC in München, sagt: „Neben dem schwachen Rubel und der Eintrübung des gesamtwirtschaftlichen Umfelds haben die sich verschlechternden politischen Beziehungen zu den einschneidenden Einbußen im Russlandgeschäft der DAX-Konzerne geführt.“ Die ersten EU weiten Wirtschaftssanktionen als Reaktion auf die russische Ukrainepolitik erfolgten im März 2014.

Der Abschwung setzt sich auch 2015 fort. EAC-Berater Kusch merkt an: „Wir erwarten einen Rückgang der Gesamtumsätze um weitere 15 bis 25 Prozent. Gerade die für den Leitindex bedeutsame Automobilbranche, ebenso wie die Bauwirtschaft, befindet sich gegenwärtig im freien Fall. Auch sorgen sinkende Reallöhne und zurückgehende Bruttoanlageinvestitionen für leere Auftragsbücher. Dies bedeutet, dass die DAX Unternehmen 2015 voraussichtlich in Summe nur noch rund 15 Milliarden Euro Umsatz in Russland erwirtschaften werden.“

Fast alle Unternehmen vom Abschwung betroffen

In die aktuelle EAC-Analyse „DAX Unternehmen in Russland – im Schatten der Krise“ flossen Daten von 21 DAX Unternehmen (siehe Grafik unten) ein. „Mit den erfassten Unternehmen“, so Daniel Stähle, Russland-Geschäftsführer von EAC und Autor der Analyse, „haben wir die wesentlichen deutschen Russland-Player unter den DAX Unternehmen berücksichtigt.“ Die restlichen Firmen sind nicht direkt oder nur über Repräsentanzen in Russland vertreten. Für die Commerzbank und Lufthansa liegen keine Zahlen vor.

Die umsatzstärksten DAX-Unternehmen in Russland waren 2014 die großen Autobauer Volkswagen (4,5 Milliarden Euro Umsatz), Daimler (3,1 Milliarden Euro) und BMW (1,7 Milliarden Euro) sowie Siemens (1,8 Milliarden Euro), E.ON (1,6 Milliarden Euro) und BASF (1,3 Milliarden Euro). Vom Umsatzeinbruch am stärksten getroffen wurde die Deutsche Telekom (-54 Prozent) – bei allerdings sehr niedriger Basis -, sowie Allianz (- 37 Prozent), Volkswagen (-21 Prozent) und Siemens (-18 Prozent). 17 der 21 Unternehmen, zu denen belastbare Zahlen vorliegen, büßten 2014 Umsatz in Russland ein. Vier Unternehmen konnten sich dem Trend widersetzen. Continental, das 2014 ein neues Reifenwerk in Kaluga in Betrieb nahm, legte um neun Prozent zu, Linde um sechs Prozent, Daimler um drei Prozent. Bayer konnte mit Rückenwind aus dem russischen Pharmamarkt den Umsatz stabil halten.

Rückgang der EBIT-Margen

Neben den Umsatzeinbußen zeigt die EAC-Analyse ein deutliches Abschmelzen der EBIT-Margen. Für 18 Unternehmen liegen Angaben zur operativen Entwicklung der örtlichen Geschäftstätigkeit vor. EAC-Berater Stähle fasst zusammen: „Die DAX Unternehmen konnten nur noch eine durchschnittliche EBIT-Marge von vier Prozent aufweisen.“ 2013 wurden von den untersuchten DAX-Konzernen noch sieben Prozent und 2012 sogar zehn Prozent operativer Gewinn erzielt. Daniel Stähle: „Der stark volatile russische Markt zeichnet sich in Boom-Zeiten durch überdurchschnittlich hohe Margen aus. Diese goldenen Zeiten sind in der Breite vorerst vorbei.“ Der EAC-Berater weist aber auch darauf hin, dass einzelne Unternehmen mit lokalisierten russischen Geschäftsmodellen wie E.ON (28 Prozent EBIT-Marge), Deutsche Post (24 Prozent), Henkel (13 Prozent) und HeidelbergCement (zehn Prozent) immer noch überdurchschnittliche Margen erreichen können. Vier Unternehmen rutschten 2014 in die Verlustzone.

Bedeutung des russischen Marktes für die DAX-Konzerne

Durchschnittlich lag 2014 der Russlandumsatzanteil der DAX 30 Unternehmen bei zwei Prozent des Gesamtumsatzes, wobei vor allem die Konsumgüterhersteller Adidas (7,1 Prozent), Henkel (6,8 Prozent) und Beiersdorf (3 Prozent) sowie die deutschen Automobilbauer Daimler (2,4 Prozent), VW (2,2 Prozent) und BMW (2,1 Prozent) in der Betrachtung vorne rangieren.

Laut EAC-Studie beschäftigten die DAX Konzerne 2014 knapp 50.000 Mitarbeiter in Russland. Russland-Experte Stähle sagt: „Die Beschäftigtenzahlen weisen aufgrund des steigenden Konsolidierungsdrucks in 2015 eine fallende Tendenz auf.“ So strich beispielsweise die Deutsche Lufthansa in diesem Jahr drei Flugverbindungen nach Russland und die Deutsche Bank kündigte an, sich aus dem Investmentbanking in Russland zurückzuziehen. Dennoch gibt es auch Gegenbeispiele. So vermeldete Merck, trotz Krise verstärkt auf den russischen Markt zu setzen und die örtliche Belegschaft von 220 auf über 300 Mitarbeiter aufzustocken.

Zukünftige Entwicklung und Krisenstrategie

Wie geht es für die DAX 30 Unternehmen in Russland weiter? Zu dieser zentralen Frage sagt EAC-Partner Dietmar Kusch: „Russland durchlebt gegenwärtig eine realwirtschaftliche Krise, die primär auf den starken Ölpreisverfall zurückzuführen ist. Dennoch schaut derzeit alles nach Brüssel. Ein Auslaufen der beidseitigen Sanktionen, verbunden mit der Rückkehr zu einer positiv besetzten politischen Agenda, könnte einen zentralen Impuls zur Überwindung der Wirtschaftskrise geben.“

Trotz der Rückschläge sieht die EAC-Analyse aber auch einige positive Signale. Daniel Stähle: „Im Grundsatz setzen die Unternehmen des deutschen Leitindex weiter auf Russland. Nur ein DAX-Unternehmen eruiert einen Marktaustritt, wobei dies auf Änderungen der branchenspezifischen Rahmenbedingungen zurückzuführen ist.“ Momentan macht die Mehrheit der Unternehmen ihre Hausaufgaben, dreht an der Effizienzschraube und passt das Russlandgeschäftsmodell den veränderten Rahmenbedingungen und Kostenstrukturen an. Stähle weiter: „Hinter vorgehaltener Hand werden vorsichtig potentielle antizyklische Investitionsvorhaben geprüft. Allen ist bewusst, dass in der Krise die Karten neu gemischt werden.“

Vor allem Unternehmen mit starker lokaler Wertschöpfung kommen mit ihrem Geschäftsmodel glimpflicher durch die Krise. Nicht nur die staatliche Politik der Importsubstituierung, sondern vor allem die starke Devaluierung des Rubels beflügelt diesen Trend. Neben starken Konsolidierungstendenzen beobachtet die EAC-Analyse eine neue Entwicklung – Unternehmen prüfen die Nutzung aufgebauter Russland-Kapazitäten hinsichtlich Exportchancen außerhalb der GUS-Staaten. EAC-Berater Stähle: „Was vor der Krise aufgrund der Kostenstrukturen undenkbar schien, steht für den ein oder anderen DAX Konzern als Antikrisenstrategie aktuell im Fokus.“

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